Irgendwann kühlte es ab, zog Regen über die Stadt, weitestgehend unbemerkt von den Schlafenden. Feuchte Steine im Hof, gelegentlich verstohlenes Tropfen, zwischen den Bäumen hängt ein Hauch Wald und Erde. Ostwärts spukt heftiges Wetterleuchten durch noch tiefste Nacht. Venus scheint matt im Schleier fliehender Wolken. Schwarz und still ruht die Linie alter Dächer, keine Krähen, keine Katzen. Intensiver Zauber früher Stunden, lang vor erstem Kaffee, ersten Worten, erstem Licht. Habt es mild heute!

Wochenmitte. Unter dem Spiegel plätschert nur ein dünner Wasserstrahl ins Becken und fasst damit den Schwung des frühen Morgens recht gut zusammen. Hinter beschlagenen Fenstern ziehen Farben des Tages über die östlichen Dächer, eine einzelne Wespe sucht ihren Weg in die Freiheit, durch die Nachbarschaft hallt das durchdringende Piepen eines einparkenden Transporters. Krümelkaffee, Radio-Nachrichten ohne Anknüpfungspunkte, noch ist alles zu hell und zu laut. Jetzt also: Tasche packen. Kleidung suchen. Auf die Straße, und den Kopf in die klare, kalte Luft bringen. Der Rest wird sich sicher später finden. Habt es mild heute!