Zwischen Tür und Angel. Mäßig abgestimmte Prozesse, man gibt sich die Klinke in die Hand, stockt Obstvorräte auf und wird sich erst viel zu spät wieder des Wochentages bewusst. In den Häusern neben dem Büro entwickeln die Wochen neues Leben, plötzlich füllen sich Räume mit Mobiliar, um kurz darauf hinter wenig stilsicheren Vorhängen zu verschwinden und nur mit Mühe hält man sich von inneren Filmen ab, die die Geschichten dahinter zu erahnen versuchen. Immer noch weiches Licht aus einem endlos blauen Mittag.

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Mittag, kurze Auszeit neben Springbrunnen und Haltestelle. Ein zorniger alter Herr schiebt seinen Rollator quer über mehrere Spuren der Straße, hat eine geöffnete Bierflasche vorn in seiner Tasche stehen, und schimpft bis aufs Äußerste erbost auf die Autofahrer, die ihn wieder und wieder anhupen. Unterwegs im eigenen Universum, und glücklicherweise beschützt genug, der Situation unbeschadet zu entkommen. Einige Minuten entfernt vibriert der Fußboden unter dem Schreibtisch, Einzugsbewegungen auf den niederen Etagen, dazu Werkzeug, ein Bohrer, der immer wieder in die harte Struktur des Hauses gräbt und schmerzhaftes, durchdringendes Kreischen von sich gibt. Kein Überhören, kein Übertönen. Und dunstiger Himmel, soweit das Auge reicht.
Wieder späte Mittagspause. Obst, Kaffee, dunkles Brot und Gespräche über Sport im Schnee. Wieder fast weißer Himmel, nur eine Ahnung von Sonne, und in der Kreuzung rumort das übliche Treiben aus Baustellenfahrzeugen, Lieferverkehr und gestressten Anwohnern, die es nur in Schrittgeschwindigkeit bis in ihre Straßen schaffen. Noch kein Spaziergang um den Block, für frische Luft muss die überdachte Terrasse ausreichen. Die Raucherpause ohne Zigaretten, während im Büro einige Etagen weiter unten Luftballons aufgeblasen und bunte Girlanden im Konferenzraum aufgehängt werden. Der Tag malt Bilder, ohne Geschichten dazu erzählen zu wollen.
Manchmal sind Mittage auch da für Begegnungen mit ungeliebten Aspekten der Realität. Formale Briefpost, etwa. Also Ablagen zurechtrücken, Dinge sortieren und entwirren, innerlich verstimmt murmeln über Begrifflichkeiten wie Aufbewahrungsfrist, Papierspur und Analogzwang. Dessen ungeachtet hat der Freitag seine ersten Stunden abgeschüttelt, streckt und räkelt sich unter hochblauem Himmel und warmer Sonne, während erste Schulkinder ihren Weg heimwärts finden und die Studentin gegenüber am offenen Balkon fachliche Themen diskutiert, ebenso enthusiastisch wie laut. Eigene Kunden fragen zu Zertifikaten und Verbindungen, und der Augenblick in den Höfen atmet den Duft von warmen Steine und altem Holz. Losgelöst von allem, verbunden mit allem.
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Auch: Die Unwägbarkeiten von Ausgeklammertem. Dinge vergessen, Eile spüren. Warteschlange, Supermarkt des geringsten Misstrauens, jung-erfolgreiche Stadtmenschen in Diskussion mit immer genervterem Personal, die alte Halle zu klein für so viel geballtes Ego. Automatenstreit vollendet eine weitere Woche, mittlerweile wachsen Narzissen aus braunen Töpfen im Regal davor. Nur die Schleifen, die von offen liegenden Steckern in unergründliches Dunkel führen, lassen noch auf die widerspenstigen Gerätschaften schließen. Ein Seufzen für den grauen Nachmittag.