(Wieder ein Morgen für Schleichwege, nach den ersten Querungen. Erkennen, zu welchen Zeiten man mit Zorn und Rücksichtslosigkeit besser klarkommt, und zu welchen man dazu lieber Abstand hält. Zweiter Kaffee. Verbindungen durcheinander, Schrecksekunde, bevor das Verständnis einsetzt und die Dinge sich ordnen. Blauer Himmel über Betondächern, und ein paar Wolken.)

Morgen in Windeseile. Nasse Wege, das Geräusch von Reifen auf verdunstendem Regen. Goldenes Licht auf der anderen Brücke, menschenleere Terrrassen und manchmal hält man etwas länger inne, als man sollte. Dann Büroküche. Geschirr. Kaffee, Obst. Neue Gewohnheiten züchten, immer noch und knapp vor dem Plan.

Schlaf verloren, früh genug: Grundlegend wach. Immer noch immer wieder linkisch damit beschäftigt, zu sich zu kommen, zu sich zu werden. Eine passende seelische Hülle finden und überstreifen, während der erste Kaffee abkühlt und die Fenster hinter den Höfen dem Morgen zuzwinkern. Vorsichtig lauschen, ob das Haus schon einen Klang hat. Durch den Plan der kommenden Stunden denken, oberflächlich genug, eine Idee zu bekommen, ohne bereits an Details hängen zu bleiben. Was nie gelingt. Und dann Aufbruch in die nahe Ferne. Auf kalten Steinen und mit genügend Abstand zu anderen Welten. Habt es mild heute. 

Und wieder Dämmerung, Frost und verschiedene Arten von Nebel. Unterbewusst der Schlag von Kirchglocken, die Kinder der Nachbarhäuser sind längst wach, während ihre Eltern noch Schlaf und Traum vortäuschen. Weit vor dem ersten Kaffee, Erinnerungen nachhängend, Pläne schmiedend auf Probe und doch sehr genau um die eigenen Möglichkeiten, Grenzen, Kräfte wissend. Aber der Vorsatz schadet wohl nicht. Habt es mild heute. 

Dann packt man die Träume zurück in die Schublade, eilig, aber vorsichtig genug, dass sie möglichst wenig Schaden nehmen. Taschen füllen für den Tag, Schönes zum Wichtigen legen, und dann den Bürgersteig, den kalten Beton, den dauergrauen Dreck unter den Sohlen spüren, auf dem Weg durch die anderen Erwachenden, durch die Unbestimmtheit des Augenblicks, durch die Zeit, in der die Seele noch nicht vollständig präsent ist. Bustüren. Bahnhaltestellen. Themenlose Unterhaltungen, Thermosbecher. Eine Armlänge weiter die vorbeiziehende Stadt. Und wieder: Zu sich kommen. Habt es mild heute!