(Spuren gegangener Wege. Wind auf den Händen, Frost an den Beinen. Ringsum kratzen Besen über Stein und Eis, die ersten Unruhigen brechen schon wieder auf. Kurs suchen, Kurs halten.)

Fußabdrücke, gefroren in dünnem Schnee.

📷 lost-in-moments 

Früher Morgen, aber anders. Wecker durfte schweigen, auch wenn die Blicke trotzdem jede Stunde über die Ziffern glitten, der Schlaf sich nicht so recht lösen könnte vom Konzept dahinrinnender Zeit. Unten rennen kleine Schritte durch den Flur, junge Stimmen singen Lieder, deren Texte im Nebel verschwimmen, aber die Melodien sind immer noch gegenwärtig und rühren an Erinnerungen fast so alt wie man selbst. Stadtkaltes Wasser im Gesicht. Skeptischer Augenkontakt mit sich selbst, ehrlicher Spiegel, und ein leises Seufzen. Knapp vor dem ersten Kaffee, die Dinge finden sich noch. Habt es mild heute!

Mit den Stunden wurde aus Morgen wieder Heute. Die Routine vergaß, am Abend den Wecker abzustellen, aber Nacht endete früh genug, Versäumtes zu korrigieren. Danach blieb Ruhen statt Schlafen und irgendwann wird es immer wieder langsam hell. Neuer Schnee über der Welt, unsicher, ob tatsächlich oder nur ein Rest von Traum. Krähen hinter den Dächern. Fenster öffnen und schließen schnell wieder. Unten plätschert das Wasser in der Wanne, gelegentlich ertönt ein Summen, ein leises Seufzen. Erste Schritte, wie immer barfuß. Erstes bewussteres Atmen, in das man sich kurz fallen lässt, einen Augenblick verweilt. Ein vorsichtiges Lächeln, zum Spiegelselbst und der grauen Stadt. Einfach so. Habt es mild heute!

Ein kurzer Film ohne Pausen und Schnitte: Bett, Schlaf, Nacht über den Dächern, Küche. Geöffnete Fenster, frühe Kälte, ein langes Schweigen über allem. Erster Kaffee, davor möglichst nicht denken, nicht hören, nicht sehen, nur atmen. Etagen weiter unten fallen Schlüssel auf die steinernen Treppen, ein leises Schimpfen folgt, beides verhallt schnell zwischen Wänden und Türen. Dann: Maschinen in Gang bringen. Kennwörter und sonstige Formeln flüstern. Beobachten, wie die Strukturen sich verändern, sich in ihren gewohnten Dienst fügen. Erste Schritte gehen, wie auf einem dünnen Seil, durch Nebel, der nur langsam weicht. Habt es mild heute!