Anderswo prangen wütende Phrasen an gentrifizierten Fassaden. Spielstraße aus Beton und Asphalt, zerkratzter Luxuswagen in einer Schottergarteneinfahrt. Jungerfolgreiche Menschen, die sich Platz suchen und machen. Aber man findet immer irgendwo ein Wohnzimmercafé und ein wenig Abstand von der Welt vor den Türen. 

Tischdekoration in einem Café

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Nahe ferne Vergangenheit. Alle möglichen Erinnerungen, an vage Ängste, Hoffnungen und Möglichkeiten, die in den Jahren verloren scheinen. Vertraute Phrasen, irritierende Gegenwart. Ringsum atmet die Stadt, aber hier steht vieles still.

Alter Wartburg vor Leipzig-Werbung im Zeitgeschichtlichen Forum.

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Halbe Strecke unter Frühlingshimmeln. In der anderen Stadt sitzen zwei alte Herren bei Kaffee und Kuchen, keifen gegen die Welt und sinnieren darüber, wie diese bunthaarigen faulen Jugendlichen früher auf Linie gebracht worden wären. Die bunthaarige junge Frau am Tresen verdreht nur die Augen und begrüßt freundlich einen nächsten Kunden. Mischbrot, Streuselkuchen, Hefegebäck. Kirchglocken zur Mittagsstunde. 

Schatten unter einem modernen Glasdach.

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Manchmal sind Mittage auch da für Begegnungen mit ungeliebten Aspekten der Realität. Formale Briefpost, etwa. Also Ablagen zurechtrücken, Dinge sortieren und entwirren, innerlich verstimmt murmeln über Begrifflichkeiten wie Aufbewahrungsfrist, Papierspur und Analogzwang. Dessen ungeachtet hat der Freitag seine ersten Stunden abgeschüttelt, streckt und räkelt sich unter hochblauem Himmel und warmer Sonne, während erste Schulkinder ihren Weg heimwärts finden und die Studentin gegenüber am offenen Balkon fachliche Themen diskutiert, ebenso enthusiastisch wie laut. Eigene Kunden fragen zu Zertifikaten und Verbindungen, und der Augenblick in den Höfen atmet den Duft von warmen Steine und altem Holz. Losgelöst von allem, verbunden mit allem.

Rhododendronast vor alter Mauer

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