Manchmal sind Mittage auch da für Begegnungen mit ungeliebten Aspekten der Realität. Formale Briefpost, etwa. Also Ablagen zurechtrücken, Dinge sortieren und entwirren, innerlich verstimmt murmeln über Begrifflichkeiten wie Aufbewahrungsfrist, Papierspur und Analogzwang. Dessen ungeachtet hat der Freitag seine ersten Stunden abgeschüttelt, streckt und räkelt sich unter hochblauem Himmel und warmer Sonne, während erste Schulkinder ihren Weg heimwärts finden und die Studentin gegenüber am offenen Balkon fachliche Themen diskutiert, ebenso enthusiastisch wie laut. Eigene Kunden fragen zu Zertifikaten und Verbindungen, und der Augenblick in den Höfen atmet den Duft von warmen Steine und altem Holz. Losgelöst von allem, verbunden mit allem.

Rhododendronast vor alter Mauer

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Und schon wieder weiter gereist mit dem Tag. Schritte um die Häuser, keinem bestimmten Ziel folgend, nur um ein wenig Bewegung in das eigene Verspannte zu bringen. Auf den Straßenzügen liegt warme Luft, die nach Frühling, Asphalt und einer seltsamen Leichtigkeit duftet. Die Studenten kehren vom Einkauf zurück, den rostigen Handwagen schon vollgepackt mit jenen Sachen, die man eigentlich erst später im Jahr braucht, auf den sanften Uferwiesen entlang des trägen Stromes. Ahnungen von Wochenendvorsätzen. Rückkehr, irgendwann. Das Gelb am eigenen Fenster wird heller, Katze döst in einem Sonnenfleck und einen kurzen Moment verlieren die Stunden etwas von ihrem Schwung.

Forsythienblüten.

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Supermarkt des geringsten Misstrauens, sehr viel später. Der Hinweis auf die Selbstzahlerkassen wurde entfernt. Gelegentlich fragt ein wartender Kunde nach dem Stand der Dinge, aber die mehrheitlich jungen Streikbrechenden auf jener Seite des Kassenbandes sind äußerst glaubwürdig in ihrer ratlosen Unwissenheit. Minimaleinkäufe, optimiert auf Verweildauer. Wenige bekannte Gesichter, gewohnt schlechte Musik. Aber zumindest ist man auf dem Parkplatz gehalten, seine Siebensachen am Bordstein zu parken, um erste Blüten zu bewundern. Es beginnt wieder jene Zeit des Jahres, in einem weichen milden Vorabend. 

Äste mit ersten rosafarbenen Blüten vor tiefblauem Himmel.

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Schließlich klingt das Wochenende aus, einmal mehr und genau so schnell wie die Tage davor. Blasse Lichter, einige davon Sterne, manche blinken mehr als andere. Wer noch Kraft und Lust hat, zieht die Party gegenüber weit ins Dunkle hinter der Dämmerung. Alle anderen liegen auf ihren Betten und Sofas, lesen sich durch dicke Bücher oder lassen die Bilder fiktiver Wirklichkeiten oder wirklicher Fiktionen auf ihren Monitoren tanzen. Noch kein Schlaf, noch kein Traum, und der Montag schon in Greifweite. Have a quiet night wherever you are. 

Blumen auf dunklem Fensterbrett, umgeben von kleinen Lichtern.

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10pm and on again. Washing away the day, and in a reasonably sleepy state of being, water generally seems way too cold. Soccer matches and late news aired by screens across the street, just faintly lighting the surrounding rooms. Catching oneself pondering how many souls might already have fallen asleep over there, on armchairs and couches while the indifferent stream of images continues to flow past them. (Gazing at the stars instead. Tracing lines in between and thinking about names and distances while mind is still offering processing power. And then slowing down, late enough, tired enough again. Have a peaceful night wherever you are.)

Blurred shot of a houses roof, some windows lit in yellow, and sky and a star above.

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