Gelegentlich begleiten Dinge aus dem Morgen den ganzen Tag. Etwa, heute: Notizen, nunmehr durch Auffinden eigenen Gekritzels in alten Fachbüchern, derer es schon länger nicht mehr bedurfte. Lektüre mit der gut eingeübten Mischung aus Belustigung und Fremdscham; halbe Erkenntnisse, halbe Wahrheiten und die neue Demut, im Nachhinein zu wissen, wie viel von Revelanz man damals eigentlich nicht wusste. (Unten: Kehrmaschine in der Kreuzung, langsam, laut, mit einem Schweif genervter Mittagsreisender hinter sich. Elstern hüpfen über den Dachfirst, finstere Schemen vor grellweißen Wolken. Ein Paketbote brüllt in die Klingelanlage gegenüber. Und immer noch signalloses Knacken in den Kopfhörern. Leere im Blau.) 

Unterwegs zwischen den Vierteln. Zwielicht, Krähen in den Straßenbäumen, stummer Beton. Die Plätze sind noch fast winterleer, und die eigene Musik übertönt ungewünschte Nähen. Aufgebrochen, um Wege zu kreuzen, das Bier zu trinken, die Worte zu sprechen, und dann liegt einmal mehr Frühling in der Dämmerung, bleibt der Duft an Kleidern und Haaren und Haut kleben und man geht des Gefühls für Entfernung und Zeit kurz verlustig. Tempowechsel, an einem Wochenabend, da draußen. 

Mittag, und immer noch dasselbe Licht. Wieder scheint die Sonne unberührt von der Realität im Viertel ihren Weg gen Westen zu finden. Immer noch sind Ferien, in den Höfen spielen einige kleinere und größere Kinder Unerkennbares, aber zumindest weithin Hörbares. Die Handwerker verschwanden in ihre Pause, plötzlich greift wieder Stille um sich und dringt bis in die letzte Spalte des Denkens vor. (Imbiss in kalter Küche. Noch ein Tee, und dazu Weiterspinnen der Fäden, die man über die Calls des Morgens hinweg sorgsam festzuhalten suchte. Langsam entsteht ein Muster, nur welches, ist noch nicht klar.)

Weiter im Tag: Klarere Augenblicke offensichtlich verpasst. Kontakt mit der Welt hinter den Fenstern, nur um zu beobachten, wie neues schweres Wolkengrau die Straße entlang parkwärts treibt. Licht und Schatten lassen Sonne vermuten, aber vielleicht tun hier Vorstellung und Wunsch ihr Werk. Unten trottet ein junger Mann in den Weg hinter den Häusern, eine schwere Sporttasche auf dem Rücken, und schiebt einen Bürostuhl mit Aktenordnern vor sich her. Es drängen sich merkwürdige Fragen auf, über Heimbüro, Technik, Pragmatismus. (Dazu Mittagstee. Noch keinen Kuchen. Dafür ist die Stunde noch zu jung, die Wahrnehmung des bislang Erreichten noch zu durchwachsen. Manchmal schadet es nicht, Steigerungsmöglichkeiten zu haben.)

Zwischen stärkerem und schwächerem Regen: Der Abend im Hof. Tropfen auf der Kapuze, gelegentlich rinnt Wasser über Nase und Stirn. Inmitten der Häuserwände fühlt man sich klein und in jedem denkbaren Sinne übersehen. Auf dem Balkon im ersten Obergeschoss wird gelacht und geraucht, in den Zimmern dahinter klirren Flaschen und Gläser. Immer noch hängen Lichterketten an einigen Metallgeländern, weiß durchsetzt mit grellkalten Farben, die alles überstrahlen, was die späte Stunde sonst an nuanciertem Licht zu bieten hat. Ein Rauschen im Baum, ein zusätzlicher Schauer auf dem Pflaster. Aus der Kneipe trägt der Geruch von altem Frittierfett, Stimmen diskutieren rauh und laut. (Zurück in den Aufgang, bevor das Hauslicht erlöscht. Türen werden geschlossen. Man zieht sich zurück, in die Nacht.) 

(Irgendwann verliert sich das Wetter im fliehenden Licht. Genügend Abstand zwischen hier und der Welt, um die Informationen von hinter den Fenstern überhören, übersehen zu können. Irgendwo spielt wieder jene Geige, heute etwas sicherer entlang ihrer Partitur. Daneben hallen Stunden fast physisch wahrnehmbar nach, alles ist eingehüllt in müde Schwere. Zur Ruhe kommen dürfen: Ein Privileg in vollen Tagen, auch heute. Und immer wieder eine Kunst, die der Moment erfordert und die einiges an Training braucht.)

Beyond 4pm. Spring to winter within a couple of hours. Watching snow slowly mix into the thin indecisive rain. Meanwhile, coffee's cooling down too, as calls move on. Moving arms, neck, head a tiny bit, careful to switch off cameras before. The kind of sports to be done while sitting, typing, listening most of the hours. (And feeling the burden of short nights, a bit more than in other days.)

Mittägliches Trudeln, dann, zwischen Baustellenlärm, Nachbarschaftsdiskussionen und dem Klappern von Fahrrädern auf nasser Straße. Nicht von den angefangenen Dingen lassen können, weil man einmal tief genug eingestiegen ist, und dann in wenigen Minuten schon wieder so weit abdriften, dass die Protokolle fortgeschrieben wurden, Sitzungen abgelaufen sind, und viel zu viel Kraft in den Versuch fließt, wieder zurückzuspulen und grob zu erkennen, wo die Abläufe auf Irrwege gerieten, wenn denn überhaupt. (Auch: Erinnern an Passwörter, Erinnern an die Lücken in eigener Dokumentation. Die üblichen Folgen nachträglicher Erfassung. Dazu heißer Tee, für Kuchen ist es noch zu früh, für Kuchen wurde noch zu wenig geleistet. Wieder dichte Wolkendecke von hier bis zum grauen Horizont.)