(Every now and then, especially at night, the urge to find words exceeds by far the ability to do so, sitting in that mental lighthouse, looking at the silent world. It's these hours where only sleep and tiredness keeps one from ripping random pages from that journal, sharpening the pen, starting on an empty sheet over and over until morning draws near...)

Irgendwann kommt der Tag quietschend und schleifend zum Halt, wie eine schwere Lokomotive, Tender leer, aber Kessel noch voll unter Dampf. Mit der späten Sonne wurde es wieder mild, jetzt duftet das Viertel nach feuchtem Asphalt, feuchter Erde, feuchten Wiesen zwischen Wohnzeilen und Fluss. Man stolpert übereinander im Dönergrill, zwischen dem eng besetzten Tresen und dem Kühlschrank voller Ayran und Mittelmeerbier. Über den Bildschirm flimmern Szenen des Südens, die Musik und die Stimmen klingen fremdartig wie immer, freundlich wie immer, man lotet einmal mehr die Grenzen des eigenen Smalltalks aus und ist dankbar für jedes Umfeld, in dem es darauf nicht ankommt. (Dann: Wieder den eigenen Fußboden spüren. Und die eigene Schwere darauf, im bewussten Versuch, alle Anspannung loszulassen. Es bleibt bei einem Versuch. Aber immerhin. Schritte zwischen den Häusern. Noch viel zu früh für Nachtschwärmer.)

Zwischen stärkerem und schwächerem Regen: Der Abend im Hof. Tropfen auf der Kapuze, gelegentlich rinnt Wasser über Nase und Stirn. Inmitten der Häuserwände fühlt man sich klein und in jedem denkbaren Sinne übersehen. Auf dem Balkon im ersten Obergeschoss wird gelacht und geraucht, in den Zimmern dahinter klirren Flaschen und Gläser. Immer noch hängen Lichterketten an einigen Metallgeländern, weiß durchsetzt mit grellkalten Farben, die alles überstrahlen, was die späte Stunde sonst an nuanciertem Licht zu bieten hat. Ein Rauschen im Baum, ein zusätzlicher Schauer auf dem Pflaster. Aus der Kneipe trägt der Geruch von altem Frittierfett, Stimmen diskutieren rauh und laut. (Zurück in den Aufgang, bevor das Hauslicht erlöscht. Türen werden geschlossen. Man zieht sich zurück, in die Nacht.) 

(Irgendwann verliert sich das Wetter im fliehenden Licht. Genügend Abstand zwischen hier und der Welt, um die Informationen von hinter den Fenstern überhören, übersehen zu können. Irgendwo spielt wieder jene Geige, heute etwas sicherer entlang ihrer Partitur. Daneben hallen Stunden fast physisch wahrnehmbar nach, alles ist eingehüllt in müde Schwere. Zur Ruhe kommen dürfen: Ein Privileg in vollen Tagen, auch heute. Und immer wieder eine Kunst, die der Moment erfordert und die einiges an Training braucht.)

Viel später: Halb zwischen Wachen und Schlafen noch einmal richtig aufschrecken, in den Keller trotten mit Schlüssel und Stift. Auf einem Treppenabsatz funktioniert die Lampe nicht, durch die Fenster blicken kalte Sterne aus trübem Firmament, immer wieder verborgen hinter den Schatten der Hofbäume, an denen Sturm reißt und schiebt. Die eigenen Schritte hallen lauter als sonst. Es braucht ein paar Minuten, die Welt gedanklich wieder geradezurücken. (Ein anderer orangefarbener Stern leuchtet noch im Wohnzimmer, und an Abenden wie diesen tut das kleine Licht gut.)

Schließlich: Noch etwas in die Nacht lauschen, hypnotisiert von dem Tropfen, Knacken, Glucksen des Regenwassers von alten Schindeln durch ebenso alte Rohre bis in die Tiefe der Kanalisation. Dazu versuchen, die richtige Ausgewogenheit im Blick auf die neue Woche zu halten, Gedanken schon einmal durch Kommendes wildern zu lassen ohne Schlaf und Traum daran zu verschenken. Die Kerze flackert noch, der Abend lässt sich Zeit, auch wenn die Lider schwerer werden. 

10pm and on. The sudden heavy rain beats on the roofs in strange rhythms. Headlights of cars wander through thin fog and droplets, seemingly weightless above a shimmering traffic lane. Some courageous souls start out to own what can be taken from this night, while it still lasts. Wondering whether still to choose some music or to just let the hour sink in quietly and undisturbed.