(Erneut weit in der Nacht, gegenüber ziehen auch heute Spielwelten über die Bildschirme. Ein Piano klingt von irgendwoher, aber es sind nicht die eigenen Hände, nicht die Tasten unter den eigenen Fingern, zu denen diese Musik gehört. Die Stimmen im Viertel sind ungewohnt lebhaft, heiter für einen verblassenden Montag. Ein Flugzeug, Positionslichter, Wegpunkte; entfernte Städte in digitalen Karten, keine Sterne über den schwarzen Dächern.)

Früher Abend im Aprilsommer, schon wieder. Letzte Reste von Sonne hinter den Giebeln, Nachbarn in der Straße kehren nach Hause zurück, der Moment duftet nach Blüten, Wiese, Erde, erkaltendem Sandstein. Die Ruhe der Parzelle im Rücken, die wieder aufbrechende Hektik des Tages nochmal in aller Wahrnehmung. Lose Enden, die Handlung erfordern. Halboffene Verbindungen ohne angemessene Antwort. Und dazu das Ringen mit Infrastruktur, Konzentration, Prozessen und dem eigenen Selbst, das immer länger braucht, aus dem Schwung zu bremsen. (Mehr Superkräfte, die man dann und wann gern hätte.)

Merklich später, und dem Tag bleibt nicht mehr viel: Staub von Garten und Wald, Sonne und Blütenspuren abwaschen. Nochmal am Fenster stehen, spüren, wie es zur Nacht wohltuend abkühlt. Das Spiel beobachten, dessen Pixel den großen Bildschirm gegenüber fluten. Und dann eine neue Seite vorbereiten für die Woche, Rand für Notizen ziehen, und ein paar leere Gedankenstriche ablegen. Genug für jetzt. Und alles, was sich gerade tun lässt, so kurz vor dem Schlaf, so unruhig am Rande des Abends. 

Irgendwann: Parzellentor schließen, Straße unter die Reifen bekommen. Gesicht spannt von Sonne und Staub. Fahrt durch Bänke aus Wärme und immer wieder Streifen von durchdringender Aprilkälte. Das andere Viertel streifen, spätes Treiben kreuzen. Alles zuviel, in zu kurzer Zeit: Lichter und Klänge und die abgestandenen Schwaden des heißen Tages und die ersten aufgeregten Düfte der beginnenden Nacht. (Brücke. Riesenrad und Altstadt. Und der Fluss, der dunkel um die Pfeiler wirbelt. Wieder viel Ruhe, so nah am bunten Leben.)

Früh in der Nacht: Samtene Dunkelheit, kein Regen mehr. Gegenüber sind die Fenster auf zwei Etagen weit geöffnet, man raucht und trinkt an steinernen Brüstungen. Musik treibt über die Straße, irgendwo zwischen Gestern und Heute und einem Heute, das den Idolen des Gestern huldigt. Irgendetwas in der Art. Man glaubt die Melodien zu kennen, aber vielleicht sind es auch nur die dunkle Stimme, die einen umfängt und vieles weghaucht, was die Woche in den Gedanken zurückließ. (Sterne zählen. Noch eine Uhr finden, die in der falschen Zeit hängengeblieben ist, seit dem Wochenende. Und die Realität von Zahlen für Stunden hinterfragen, an diesem merkwürdigen Beispiel und seiner Wirkung.)

Way beyond 10pm. Mental engines running hot, burning whatever energy the day spared. Balance between effort and outcome rapidly decreasing, and so is the ability to keep a clear mind. (Knowing ones borders as another superpower that's desirable yet rare.)

Abendsterne. Immer zeitlich begrenzte Phänomene, die die Wahrnehmung kapern, kurzes gebanntes Staunen erzeugen, die Gedanken für atemlose Momente durch weite Leere führen - und dann zu beliebigen Lichtpunkten im Halbdunkel der Großstadtnacht werden. Mild blieb der Tag, trotz des Windes. Gegenüber raucht man auf dem Balkon, verrät sich durch glimmende Stummel und gelegentliche Wortfetzen. Einige Zimmer weiter malt ein Projektor schrille Sequenzen auf die Wände; Verlauf, Farbe, Schnitt lassen selbst in vorsichtigem Abstand ein unangenehmes, unruhiges Gefühl aufkommen. (Noch kein Traum. Dafür braucht es besser andere Bilder.)