Immer noch: Grün, blau, grau. Scharfkantiger Laubenschatten, gelegentlich zwischendrin. Und die Melodie von Sonnenblumenkernen, die die Spatzen auf die alte Zinkwanne werfen. Zu nervös für Ruhe, zu müde, um zu lesen. Sonntagnachmittag auf der Parzelle.

Immer diesseits des Zenits, und trotzdem anderswo. Zu viel lesen, zu viel denken, ein wenig hoffen, vielleicht etwas mehr fürchten. Die Wärme kriecht unter den Sonnenschirm, eine Wespe klettert durch Brombeerblüten, irgendwo brennt jemand Unkraut aus den Wegen. (Auch: Störzustände, Fehlermeldungen, keine Ausrüstung, keine Ruhe. Halb an der dünnen Linie zwischen heute und der neuen Woche.)

Der Nachmittag, auch: Aufschrecken mit dem Donner, zuvor fast eingeschlafen bei den Vögeln. Immer noch erdige Hände, erdiges Werkzeug, und dann prasselt es erneut auf den Flieder, heftig und nass. Aufräumen. Abschließen. Den Weg zurück finden, neben einer laut und nervös wirkenden Stadt. 

Später, wieder im Garten. Diesiges Licht, schwülwarme Luft zwischen Laube und Forsythie. Der Nachmittag malt warme Bilder mit den Farben alter Filme, alles duftet nach Gras und Land und Gestern. Erste Erdbeere, süß und voller frühem Sommer. Spatzen und Meisen im Busch. Eine Ahnung von Gewitter, aber noch sind die Wolken fern genug.

Am Wegesrand: Andere Stadt, anderer Beton. Häuser mit leichter Architektur und schwerer Geschichte. Irgendwann riss ein hoher Sturm den Regen auseinander, ließ weiche zerzauste Bäusche zurück, die träge im Abendlicht treiben. Weiterziehen. Rapsblüten zwischen frisch grünen Wäldern. Musik aus Bassgitarre und Schlagzeug unter den Stimmen. Die Geschichten eines kleinen Gestern im kleinen Heute, verändert und trotzdem konstant. Oder andersherum. 

Der Nachmittag: Grell außerhalb der Schatten, dunstig bis zum Horizont. Windbewegt und ansonsten fast reglos. Die Krähe sitzt immer häufiger auf dem Laubendach; Kontaktversuche bleiben holprig. Unter dem Sonnenschirm flattert ein Kohlweißling inmitten schwerer Gespräche. Aber bald gelingt ihm dann doch der Ausbruch ins Freie. Nebenan quietscht eine Schaukel. Immer noch irgendwie Sonntag. 

Zurück unter Wolken des eigenen Viertels: Marmorhimmel und kalte Ohren. Das übliche Stimmungsbild eines Sonntagnachmittags, Elefanten verborgen in duftenden Eschen, gemeinsames Gestern, Erzählungen von irgendwann. (Spiele mit dem eigenen Schatten, im dünner werdenden Licht.)