Schließlich: Stadtviertel hinter halb geöffneten Fenstern. Die Nässe in der Luft kühlte ab, kondensiert auf Glas vor dem immer noch hellblauen Abendhimmel. Unten trottet eine Gruppe Jugendlicher durch die Haltestelle, jemand pfeift leise. Gegenüber auf der Terrasse flackert Licht, trotz der reglosen Bäume tönen die Glocken des Windspiels hin und wieder in zufälliger, immer harmonischer Klangfolge. Spätbus rollt über die Kreuzung, ein Motor startet. Das Beruhigende in den Abläufen und ihrer trägen Gewohnheit, so kurz am Rande der Dunkelheit. 

Immer noch ist die Akzeptanz nicht besonders groß für die Selbstzahlerkassen im Supermarkt des geringsten Misstrauens, dafür werden die Schlangen an den gewohnten Bändern länger, die Gänge im Rückstau voller. Heute treffen besonders unsichere junge Bedienstete auf besonders selbstbewusste Kunden, die keine Zeit und keine Lust haben und allesamt viel zu wichtig sind, zwischen Müllbeuteln und Kisten voller Standard-Pilsener zu stehen und sich auch nicht zurückhalten können, allen anderen das Warten durch missmutiges Gebrabbel noch schwerer zu machen. Ein vollständig rosafarben gekleidetes, sehr junges Mädchen flieht erneut in Richtung Süßwarenabteilung, gefolgt von einem sichtlich gestressten Vater, der Nachdruck mit Lautstärke verwechselt und viel mehr Familien-Interna unter dem kalt leuchtenden Neonhimmel zurückläßt, als es ihm wohl bewusst sein dürfte. (Zumindest dabei entsteht hier und dort Erheiterung, huscht ein gelegentliches Grinsen über müde Gesichter. Ziel auch erreicht. Irgendwie. Draußen fällt ein Fahrrad um. Es wird Abend.) 

11am and on. The prevailing grey. Day opted for storm and rain. A hornet seeking shelter in the bedroom corner. Difficult visitors. Watching in a mood same as unsettled as the cat. 

(Die Nacht rekapitulieren und dann loslassen. Fern der Stadt schläft man tiefer als sonst, fern der Stadt sind die Träume unruhiger und wilder, nicht nur im freundlichen Sinne. Und dabei tragen noch nicht einmal alle bis hinter die Dunkelheit. Also: Falten aus dem Gesicht waschen. Tisch decken. Das alte, lang vertraute Geschirr an die richtigen Plätze stellen, mechanisch und ohne großes Nachdenken. Vor dem ersten Kaffee fehlen auch dem Sonntagsselbst noch klarere Konturen. Habt es mild heute!)

Später: Wieder Kaffee, hinter dem Haus. Die Luft schwer von Pollen, dichte Wolken schieben sich über die hohe alte Birke. Irgendwo spielen Kinder Fußball, ein Rasenmäher schreit. Hier thronen lilafarbene, weiße, gelbe Blüten in halbmannshoher Wiese, umkreist von Wespen und einer großen, lauten Hummel. Beobachten: Entschleunigt, unkonzentriert, planlos. Vielleicht ist das für den Augenblick ganz in Ordnung.

Close to 10am again. Peeking through thin layers of understanding in a still somewhat vague reality. Adding breakpoints on whichever level, with the comforting feel of freezing everything just long enough to make sense of it. Needless to say this only takes one that far, it only works then and now, and it lets a whole slew of unique issues and insights just escape ones attention and irrevocably disappear in murky depths. And still trying to handle some other, though lighter, shadows, too, while waiting for another ray of sun. Debugging ones own code seems more challenging. It all somehow depends.

Der Morgen versucht es erneut, das mit der Sonne, aber schafft es bislang nicht über wenige Risse hinaus, die eher als Andeutung die grauen Himmel durchziehen und schnell wieder verschwinden. Zu warm zu kalt zu windig zu stickig: Kämpfen mit Jacken, Reißverschlüssen und der Unfähigkeit zu wettergerechter Kleidung. Auf dem großen Platz sammelt derweil ein Schwarm früher Vögel die Körner aus den Fugen der Pflastersteine, einige davon mustern skeptisch die knallblauen Überreste eines zerplatzten Luftballons. Pfade finden durch alte und neue Baustellen, gelegentlich auf Abwegen, aber letztlich doch wieder im gewohnten Keller, im gewohnten Beton, im gewohnten Aufzug. Kurz vor dem zweiten Kaffee, nur knapp vor den ersten Punkten einer Tagesordnung, die wohl noch beweisen muss, diesen Begriff zu verdienen. Habt es mild heute!

Halb durch den Tag, Orientierung suchen. Reihenfolgen und Prioritäten im Fluss, reaktiv, parallel und fernab der ursprünglich gewürfelten Route. Immer noch fehlt es an wirklichem Licht, durch die Fenster fließen milder Wind, der Lärm eines Rasentraktors, der Duft frisch geschnittenen Grases. Die Sinne nehmen dergleichen dankbar auf, blenden die Frage aus, wo im Viertel sich dafür überhaupt genügend viel Wiese findet. (Die Unwägbarkeiten lange Zeilen. Die Schwierigkeit in der Suche nach Mustern, ganz abgesehen von deren Deutung. Tee ohne Kuchen. Ein Paketbote klingelt, und der Takt schaltet weiter.)